„Luftiger“ Sicherheitscheck fürs Stromnetz

Mit großen und kleinen Flugmaschinen prüfen Netzbetreiber hunderte Kilometer lange Stromtrassen. Ziel ist ein sicheres Stromnetz dank optimaler Wartung. Bei ED Netze starten zur Leitungsinspektion immer öfter wendige Multikopter mit integrierter 4K-Kamera statt echter Helikopter: So können nachhaltig CO2-Emissionen vermieden werden.

Die regelmäßige Leitungskontrolle ist wichtig für das Stromnetz. Denn ein gut gewartetes Leitungsnetz sichert die Versorgungssicherheit ab. Dass dies zum großen Teil per Leitungsbefliegung erfolgt, hat seinen Grund: Der Weg von der Erzeugung zum Verbrauch ist teilweise sehr weit. Allein im Versorgungsgebiet der ED Netze gibt es 530 Kilometer 110-kV-Freileitungen, bei denen im Zweijahresrhythmus eine Leitungsprüfung per Helikopter durchgeführt wird.


Im Fokus der stundenlangen „luftigen“ Beobachtung stehen dabei Leiterseile, Masten und etwaiger Bewuchs. Auch mögliche Schäden, etwa durch Blitzschlag an der Isolation, oder Gefahrenquellen, zum Beispiel verhedderte Flugdrachen, müssen dokumentiert und nachfolgend schnellstmöglich behoben werden.

Außerdem wir das Netz jährlich vom Boden aus kontrolliert. Mit dem Auto oder zu Fuß suchen dann bis zu 20 ED-Netze-Mitarbeiter mit Ferngläsern nach Auffälligkeiten. Diese Kontrolle dauert einige Tage. Während besonders die Leiterseile und Isolatoren der 30 bis 90 Meter hohen Masten aus dieser Position eher schwer zu sichten sind, ist sie für den Check der Fundamente dagegen ideal.

Daher setzt ED Netze noch als drittes Modul der Leitungsinspektion auf Multikopter, die vom Boden aus gesteuert werden. Ihre Vorteile? Sie heben kostengünstiger ab als Helikopter und haben dank Aku-/Batteriebetrieb eine deutlich bessere Ökobilanz als deren Betankung mit Benzinmischungen oder Kerosin. Die Multikopter können zudem bis zu anderthalb Meter an die Leitungen heran gesteuert werden, sodass ihre integrierten 4K-Kameras mit 2-fach optischem Zoom jede Kleinigkeit erfassen. So nah kommen die Inspekteure weder im Heli noch am Boden „problematischen“ Stellen.

Das Abheben mit dem offiziell Drohnen genannten Fluggerät will gelernt sein. Und wie bei allen Bewegungen im Luftraum vom jeweiligen Piloten, wir bei ED Netze sprechen von Multikopter-Steuerern, gut vorbereitet und frühzeitig angemeldet sein – sonst ist kein Start möglich.

Außerdem benötigen Drohnenbetreiber und deren Multikopter-Piloten seit Anfang 2021 laut den EU-Drohnengesetzen für die meisten Anwendungsgebiete einen neuen Kompetenznachweis. Alle acht (Stand: Juli 2021) ausgebildeten Steuerer der „fliegenden Augen“ der ED Netze haben, trotz der Übergangfrist bis Ende 2021, schon frühzeitig die neu erforderlichen Drohnenführerscheine für unsere Multikopter-Typen bzw. die entsprechende Betriebskategorie erworben. Dafür ließen sie sich erneut schulen und absolvierten mehrere theoretische und praktische Prüfungen. Neu ist auch eine Registrierungspflicht, der die Drohnenbetreiber nachkommen müssen. ED Netze hat alle seine eingesetzten Multikopter bereits registriert. So können Außenstehende und Unbeteiligte sie bei Sichtung identifizieren.

Zwei Ausbaustufen der Multikopter-Leitungskontrolle sind bei ED Netze in der Vorbereitung: In einer frühen Testphase befindet sich (Stand: Juli 2021) die Möglichkeit der Teilautomatisierung, sprich der quasi autonomen Leitungsbefliegung ohne Sichtkontakt des Steuerers zum Multikopter. Als weiteren Schritt ist der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) bei der Sichtung und Auswertung des Bildmaterials im Gespräch.



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